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Erfahrungen

Alles Wissen meines Berufslebens werde ich wohl nicht hier unterbringen,

aber einige wichtige Teile vielleicht schon. Neugierig? [Bilder] gucken?

Vieles wird Ihnen bekannt sein, doch es wird meistens im realen Produktionsleben nicht beachtet.

  1. Preproduction Meetings werden extrem wichtig. Checken Sie die ganze technische und personelle Ausstattung bis hin hin zum Final Master. Verlassen Sie sich nicht allein auf die Aussagen einzelner Assistenten, Verleiher oder Postproduktionhäuser.

  2. Was soll hinten rauskommen? So macht es wohl keinen Sinn bei einem gefordertem HDCam SR Master oder 35mm Kopie mit HDV zu drehen. Andererseits iwäre es übertrieben für eine lokale Werbung mit HDCam SR zu drehen wenn ein BETA SP Master gefordert ist. Siehe auch [Spezifikationen]

  3. Ein Problem beim Dreh mit HD ist: "What you see is what you get". Gutes Monitoring beim Dreh wird essentiell wichtig. Es gibt kein Kopierwerk! Und der Satz "we fix it in the Post" kann extrem teuer werden. Es sollte mindestens ein eingemessener Full HD-Monitor für Regie und DOP am Set sein + das Geraffel, was Assistenten alles so brauchen.

  4. Stromversorgung: Es wird mir ewig ein Rätsel bleiben warum Kameraassistenten Strom aus der Steckdose hassen. Lieber laden Sie nächtelang Akkus, die dann beim Dreh ihren Geist aufgeben. Das Argument " Wir wollen kein Kabel an der Kamera" ist bei HD und heutzutage auch bei Film idiotisch. Da sowohl Bild als auch Ton, diverse Steuerungen angeschlossen werden ist ein Kabel mehr auch nicht so schlimm. Ausnahme natürlich: Handkamera / Steadycam. Also ich persönlch bevorzuge Kamera mit Netzteil und Akku. Fällt Netz aus schaltet die Kamera auf Akku.

  5. Der gute Ton: Wenn möglich immer den Ton (2 oder 4 kanalig) zur Kamera geben. Das Argument derTonmeister: "DAT ist besser" ist QUATSCH. (HDCam hat 24bit Tonauflösung DAT hat 16bit). Es ist nichts dagegen einzuwenden eine DAT oder Festplatte (timecodesynchron) als Sicherheit für den Ton mitlaufen zu lassen, aber Tonanlegen in der Post ist OUT.

  6. Band-/Materialverbrauch: Wie war das noch mit dem Drehverhältnis? (Und ich meine nicht innerhalb des Drehteams) 1:5 oder 1:10 ? Ich war auf HD-Drehs, da kam man auf 1:100 (allerdings 2 Kamera Produktion) . Also die These, lass schon mal laufen, das Material kostet nichts, kann ganz schön teuer in der Prostproduction werden. Erst Kopf und dann die Kamera einschalten.

  7. Technische Parameter: Es ist schon schön und hilfreich wenn ein Tape oder Platte oder was auch immer einen technischen Vorspann erhält. Farbbalken, Grau- und Test-Cahrt sowie Pegelton erleichtern die Arbeit in der Post ungemein. Wenn dazu noch eine vernünftige Beschriftung des Bandes erfolgt, eine Takeliste beiliegt fliesst der Workflow ungemein. Ein Band allein mit der Nummer 1 zu versehen ist wenig hilfreich. Beim echten Film gab es sowas nie. Kleiner Tip aus Amerika: Bei Multikameraproduktionen gilt Buchstabe = Kamera + Bandnummer (d.h. A001 Camera A Tape1, C022 Camera C Tape 22 usw.) Bei mehr als 999 Bändern siehe Band-/Materialverbrauch.

  8. Der berühmte "Film-Look": Man kann heutzutage selbst an kleinen HDV- Kameras und erst recht an den grossen alles möglche einstellen und verstellen. Wenn möglich Pfoten weg, der DOP sollte sauber belichten (eher zu knapp) und seine elektronische Schärfe (Detail) eher zurücknehmen oder in Abstimmung mit der Produktion und Post einstellen. Auch das Gamma sollt in Abstimmung mit der Post eingestellt werden. Hier gilt: Lieber zu weich (Cinegamma) und nachher im Grading anziehen. Aus hartem Gamma ein weiches zu machen ist unmöglich. Vorsicht bei Extremverstellungen bis zum Anschlag positiv oder negativ. Hier können ganze Sonnenuntergänge (z.B.Knee saturation = -99) schwarzweiß abgebildet werden.

  9. Dieser Erfahrungsschatz liesse sich noch lange fortsetzen, aber das sollte man im persönlichen Gespräch und unter den realen Bedingungen klären